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Evangelische Kirche Karlsruhe
Wie wurde Martin Luther zum Reformator? Das war ihm jedenfalls nicht in die Wiege gelegt, als er am 10. November 1483 in Eisleben geboren wurde.
Gute Ratschläge
Seine zur Schwermut neigende Mutter hat ihm die Devise mitgegeben: Man muss sich bei den Menschen beliebt machen. Sein als Bergmann aufstrebender Vater hat ihm beigebracht, dass im Leben alles vom beruflichen Erfolg, von Geld und Ansehen abhängt. Bei den Verwandten in Eisenach lernte er schließlich, dass es noch wichtiger sei, rechtzeitig vor dem Tod seine Beziehung zu Gott in Ordnung zu bringen. Martin Luther versuchte, alle drei Ratschläge zu befolgen. Er wurde ein umgänglicher Mensch.

Das Luther-Denkmal in Stotternheim erinnert an das Blitz-Gelöbnis Luthers,
Mönch zu werden.
 
Er wählte das Studium der Rechtswissenschaften. Und als am 2. Juli 1505 ein Blitz dicht neben ihm einschlug, gelobte er Anna, der Schutzheiligen der Bergleute, ein Mönch zu werden. Zwei Wochen später trat er in das Kloster der Augustiner-Eremiten in Erfurt ein. Damit hatte er den von der Kirche empfohlenen Weg zur ewigen Seligkeit gewählt.
 
Verzweifelte Perspektiven
 
Aber diese Rechnung ging für ihn nicht auf. Zwar erfüllte er alle Klostergelübde (Armut, Keuschheit und Gehorsam) ohne große Anstrengung, auch nahm er alle Möglichkeiten des Gebets, der Beichte, der Buße und des Fastens intensiv wahr, aber er fand nicht zum inneren Frieden mit Gott. Warum? Weil er aus der Bibel wusste, dass es das größte Gebot ist, Gott von ganzem Herzen zu lieben. Aber diese Liebe konnte er durch all sein Tun nicht in sich erwecken. Er erfüllte die Gebote und Ratschläge der Bibel und der Kirche ja nicht aus Liebe zu Gott, sondern aus Liebe zu sich selbst, um nicht in die Hölle zu kommen. Ihm wurde verzweifelt bewusst, dass man unter der Androhung von Verdammnis Gott nicht lieben kann. Das trieb ihn in einem mehr als zehn Jahre dauernden inneren Ringen im Kloster in die Verzweiflung. Was sollte er denn tun?
Eingang zum Paradies gefunden
Die Antwort, die er schließlich beim Apostel Paulus und beim Propheten Habakuk fand, hieß: Vertraue auf Gottes Gnade! Als ihm diese Einsicht zuteilwurde, fühlte er sich wie neu geboren und ins Paradies versetzt. Seine Beziehung zu Gott wurde zurecht gebracht nicht durch sein eigenes Tun, sondern durch das Empfangen und Annehmen dessen, was Gott in Jesus Christus getan hat, indem er sich selbst erniedrigt, Mensch wird und sogar den Tod am Kreuz auf sich nimmt. Tiefer kann Gott sich nicht zum Menschen herunterneigen. Das zu erkennen, wurde für Luther zu der reformatorischen Entdeckung, die er nicht für sich behalten konnte und wollte.
Luther, durch den Kirchenbann zum Ketzer erklärt, wird auf dem Reichstag in
Worms 1521 mit der Reichsacht belegt und für vogelfrei erklärt.
Indem er seine römisch-katholische Kirche an dieses Zentrum des christlichen Glaubens erinnerte, wurde er zu einem Reformator, der beim Kirchenvolk – vor allem in Deutschland – große Zustimmung fand, aber vom Papst als Ketzer verurteilt und mit dem Bann belegt wurde. Dem folgte alsbald die Ächtung durch den Kaiser. Die reformatorische Bewegung fand dadurch nicht ihr Ende. Sie führte aber – gegen Luthers ausdrücklichen Willen – allmählich zur Entstehung einer eigenen, eben der Evangelischen Kirche.
Entstehung der Evangelischen Kirche(n)
Den Beginn des Prozesses, in dem die Evangelische Kirche entstand, bildete die Entscheidung von Landesfürsten und Städten, die reformatorische Predigt einzuführen. Dazu wurden geeignete Prediger eingestellt und der Gottesdienst von bestimmten Vorstellungen befreit, z. B. dass der Opfertod Jesu Christi auf unblutige Weise wiederholt werde.

Humanist und Theologe Philipp Melanchthon, aus Bretten. Er war Luthers Freund und Wegbegleiter und eine treibende Kraft der deutschen Reformation.
 
Als Luther und Melanchthon im Jahr 1527 aufgefordert wurden, die evangelischen Prediger und Gemeinden zu visitieren, mussten sie freilich feststellen, dass deren Bildungsstand und die Qualität der kirchlichen Arbeit sehr zu wünschen übrig ließ. Luther verfasste darauf 1529 den Kleinen Katechismus für Kinder und einfache Leute sowie den Großen Katechismus für die Pfarrer. Melanchthon schrieb 1530 auf dem Reichstag zu Augsburg das Augsburgische Bekenntnis.
Damit waren die drei wichtigsten evangelischen Bekenntnisschriften formuliert, die zusammen mit den altkirchlichen Bekenntnissen bis heute die Lehrgrundlage für die evangelische Kirche bilden.
Durch den Augsburger Religionsfrieden von 1555, der den weltlichen Landesfürsten und den Städten die freie Wahl der Konfession zubilligte, und durch den Westfälischen Frieden von 1648, der dieses Recht den einzelnen Christen zugestand, wurde die konfessionelle Teilung unseres Landes bis heute besiegelt.
Aber die evangelischen Kirchen verzichteten weiterhin darauf, eigene Bischöfe einzusetzen. Sie übertrugen diese Aufgabe den jeweiligen Landesherren als den „ersten Christen im Land“. Das endete erst mit der Weimarer Reichsverfassung von 1919. Durch die von ihr verfügte Abschaffung der Staatskirche wurden die evangelischen Kirchen genötigt, endlich eigene Kirchenleitungen einzurichten.

Bildnachweis:
Luther-Illustration: © Erica Guilane-Nachez/fotolia.com, Composing mit „Flammarions“, Holzstich – erstmals erschienen in L’atmosphère, Paris 1888, als Illustration zu La forme du ciel im Kapitel Le jour; gemeinfrei
Denkmalstein: Pastor Holger Janke, Hamburg
Illustration Luther in Worms: © traveler116/istockphoto.com
Bild Melanchton: © nickolae/fotolia.com

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Evangelische Kirche Karlsruhe
Ein Projekt der Evangelischen Kirche in Karlsruhe. Unter Leitung der Stadtkirche Karlsruhe,
Pfarrer Dirk Keller. Evangelisches Pfarramt der Alt- und Mittelstadtgemeinde,
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