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Evangelische Kirche Karlsruhe
Wie die Reformation
nach Baden kam
Martin Luther und die
Reformation in Baden bis heute
Die Markgrafschaft Baden ist zur Reformationszeit eine kleine, wenn auch aufgrund des Titels nicht ganz unbedeutende Markgrafschaft am Oberrhein.
 
Karlsruhe existiert noch gar nicht. Regiert wird von Pforzheim aus. Markgraf Christoph I. (1475 bis 1515) gelingt es, sein kleines Territorium, das auf Gebiete rund um Pforzheim, im Breisgau und Lörrach zurück greifen kann, kontinuierlich auszubauen und innerlich zu festigen.
 

 
Die drei Söhne Christophs I. teilen die Hinterlassenschaft des Vaters. Der in Baden regierende Markgraf Philipp I. ist Statthalter im Reichsregiment. Sein Kanzler Hieronymus Vehus übernimmt daher die Verhandlungen mit Luther auf dem Wormser Reichstag. Die Linie des Hauses Baden bleibt ganz habsburgisch. Zu sehr ist man abhängig von der Gnade des Kaisers.
 
Als Philipp 1533 ohne Nachkommen stirbt, teilen seine Brüder Bernhard und Ernst das Erbe unter sich auf. Sie können sich aber erst nach längeren Streitigkeiten einigen. Die Teilung von 1535 hat für 250 Jahre das Schicksal der Markgrafschaft bedingt und bewirkt, dass sich der Besitz der beiden Linien von Süden nach Norden zweimal durcheinander schichtet.
 
Zu Beginn der 1530er-Jahre wird die Reformation in vielen Gebieten und Reichstädten des Heiligen Römischen Reiches eingeführt. Kaiser Karl V. tritt der von ihm als Ketzerei verstandenen evangelischen Auffassungen im Reich entgegen. Nachdem Karl V. 1544 außenpolitisch den Rücken frei hat, hofft er zunächst durch ein Konzil (Trient 1545) oder durch eine Reihe von Religionsgesprächen, die Glaubenseinheit wiederherstellen zu können. Gleichzeitig sichert er sich die Unterstützung des protestantischen Fürsten Moritz von Sachsen und schlägt gegen das geschwächte evangelische Bündnis (Schmalkaldener Bund) los. Der vom Kaiser in der Folge gewonnene Krieg führt 1548 zum sogenannten Augsburger Interim, in dem der Kaiser versucht, die Zeit zurückzudrehen und den Protestantismus zu vernichten.
 
Es kommt zum Widerstand, der nicht nur von den Fürsten, sondern auch von weiten Teilen der Bevölkerung getragen wird. 1551 verbündet sich Moritz von Sachsen mit anderen Fürsten und es gelingt, Karl V. zur Flucht zu zwingen. Im Passauer Vertrag (1552) werden den Protestanten weitgehende Rechte zugesichert und im Augsburger Religionsfrieden von 1555 bestätigt. Von nun an hat der Landesherr das Recht, die Reformation in seinem Gebiet einzuführen.
 
Baden traut sich
Nach dem Passauer Vertrag führen eine Anzahl von weltlichen Herrschaften im Südwesten Deutschlands die Reformation durch. Auch Markgraf Ernst von Baden-Pforzheim soll Pläne dazu gehabt haben, schreckt aber weiterhin vor einem möglichen Konflikt mit dem Regenten des katholischen Vorderösterreich, Erzherzog Ferdinand zurück, der seine Ansprüche auf die badischen Gebiete im Breisgau anmeldet, die von habsburgischem Gebiet umklammert sind.

 
Markgraf Karl II. setzt sich auf dem Reichstag sehr für den Augsburger Religionsfrieden von 1555 ein, der es den weltlichen Reichsständen freistellt, die Reformation einzuführen. Mit dieser Absicherung und auf Drängen von Herzog Christoph von Württemberg wagt es Karl II. dann, die Reformation auch in der Markgrafschaft Baden-Durlach durch den Erlass einer neuen Kirchenordnung am 1. Juni 1556 einzuführen. Württemberg, Basel und die Pfalz schickten Theologen, da Baden keine Hochschule besitzt. Die Einkünfte aus dem säkularisierten Kirchengut werden für Stipendien zur Ausbildung der Theologen in Tübingen und Basel verwendet.
 
Die Reformation – 1556 wurde eine der württembergischen verwandte Kirchenordnung erlassen – sucht Karl ohne Anwendung von Zwangsmaßnahmen durch Verhandlungen und Abfindung der Geistlichen und Ordensleute durchzusetzen. So beweglich er in der Behandlung der einzelnen politischen und konfessionellen Fragen war, so fest hält er an dem einmal vollzogenen Konfessionswechsel.
 
1565 verlegt er die Residenz von Pforzheim nach Durlach, nachdem er dort ein Schloss erbaut hat (1689 zerstört). Seitdem führt die Linie den Titel Baden-Durlach. Von dort aus wird 1715 Karlsruhe gegründet.
Eine neue Kirchenordnung
Die Vorbereitung der Reformation und die Abfassung der Kirchenordnung wird einer Kommission unter Vorsitz des Kanzlers der Markgrafschaft Baden-Pforzheim, Martin Achtsynit (auch Amelius), übertragen. Mitglieder der Kommission sind die Tübinger Theologen Jacob Andreae, die sächsischen Theologen Maximilian Mörlin und Johann Stössel sowie der Heidelberger Hofprediger Michael Diller. Nebst den Theologen gehören der Kommission die markgräflich badischen Hofräte Johann Sechel und Georg Renz an.
 
Achtsynit wird erster Direktor des Kirchenrates. Karl selbst wird Landesbischof der Evangelischen Kirche und tritt damit die Nachfolge der bisher jeweils für Teile seiner Herrschaft zuständigen Bischöfe von Straßburg, Speyer und Konstanz an. Die unterschiedlichen theologischen Positionen beeinträchtigen die Arbeit der Kommission, werden aber von Kanzler Achtsynit ausgeglichen.
Letztlich übernimmt man aus politischen Gründen weitgehend die Kirchenordnung Württembergs, die Johannes Brenz 1553 konzipiert hat. Für die noch im Herbst 1556 durchgeführte erste Kirchenvisitation stellt Württemberg auch noch den angesehenen Theologen Jacob Heerbrand zur Verfügung, der an der Schlussredaktion der Kirchenordnung beteiligt ist.
 
Für das badische Oberland ernennt Karl den Baseler Theologen Simon Sulzer zum Generalsuperintendenten. Baden wird damit theologisch lutherisch im Brenzschen Sinne geprägt.
Die neuen Verhältnisse
Durch häufige Visitationen soll sichergestellt werden, dass nur noch lutherische Pfarrer tätig sind und die Kirchenordnung eingehalten wird. Zahlreiche katholische Pfarrer werden ausgewiesen. In seinen südbadischen Herrschaften bestreitet Ferdinand von Österreich Karl das Recht, die Reformation einzuführen.
 
In der Folge trennt sich das Haus Baden kurz nach der Teilung des Landes 1556 in einen evangelischen und einen katholischen Zweig. Als die beiden Markgrafschaften durch Erbfolge 1771 wieder unter Markgraf Karl Friedrich zusammenkommen, hat dieser die Weitsicht und Souveränität, mehrere Glaubensrichtungen zuzulassen und zu Akzeptanz und Toleranz aufzurufen.
 
Diese Linie der weitsichtigen Toleranz in religiösen Fragen prägt seitdem die Markgrafschaft Baden und das spätere Großherzogtum.

Bildnachweis:
(1) Situationsplan über die Gegend, in welcher im Jahre 1715 die Residenzstadt Karlsruhe erbaut wurde. Stadtplan - Panoramakarte, um 1590. Kolorierte Zeichnung nach einem Plan des Generallandesarchivs, kopiert von W. Bender 1882, Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI 1
(2) Hans Baldung Grien, Bildnis des Cristoferus Marchio Badensis, Christoph I. von Baden, 1511, München, Staatliche Graphische Sammlung, Inv.-Nr. 1926:419 D
(3) Markgraf Karl II. von Baden-Durlach, Stadtarchiv Karlsruhe, 8/PBS I 267; Markgraf
Karl II. von Baden-Durlach, Wien, Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv und Grafiksammlung, Porträtsammlung, Inventar-Nr. PORT_00060155_01
(4) Kirchenordnung wie die in der Marggraveschafft Baden, Pfortzheimer theils, auch and. Marggrff. Carlins .. soll gehalten werden, Tübingen 1556, Signatur: 945838 4 Liturg. 305 x 9458384 Liturg. 305 x Permalink: http://www.mdz-nbn-re- solving.de/ urn/resolver.pl?urn=urn:nbn:de:bv- b:12-bsb10164264-6
(5) Johannes Brenz, Kirche Wes- theim, Foto Tobias Hofmann.67
(6) Jacob Heerbrand, um 1590. Professorengalerie der Universität Tübingen, Inventar: 97/113

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Ein Projekt der Evangelischen Kirche in Karlsruhe. Unter Leitung der Stadtkirche Karlsruhe,
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