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Evangelische Kirche Karlsruhe
„Nicht den Moment des Aufhörens verpassen!“
Über Harald Birck, malender Bildhauer
und bildhauernder Maler
Der Berliner Bildhauer und Maler Harald Birck schuf im Rahmen des Kunstprojekts „Luther – einer von uns“ eine 22-teilge Skulpturen-Serie von couragierten Menschen, darunter 20 Bürgerinnen und Bürger Karlsruhes, die sich durch ihr Leben, ihre Werte und ihr Wirken zur Reformation und Martin Luther bekennen.
 
Das temporäre, kleine, aber helle Kirchturmatelier in der evangelischen Stadtkirche am Marktplatz ist ausgesprochen kopflastig. Die Fenster an den drei Wänden lassen Licht auf ungewöhnliche Köpfe fallen. Sie stellen unter anderem eine jugendliche Chorsängerin dar, einen ehemaligen Oberbürgermeister, einen Obdachlosen, eine geschätzte Schauspielerin, einen stadtbekannten Brauer, einen sizilianischen Arbeiter, eine erfolgreiche Geschäftsfrau, einen Martin Luther.
Alle haben eins gemeinsam: sie sind aus Ton.
Der Schöpfer dieser faszinierenden Skulpturen ist der Künstler Harald Birck. Er ist Bildhauer, Maler, Fotograf und sehr geduldig. Geduldig ist auch sein betagter Hund Pablo, der immer dabei ist und den Birck immer öfter die Treppen hinuntertragen muss.
 
Birck, in Heidenheim geboren, arbeitet und lebt in Berlin und in Görzke, einem Dorf in Brandenburg. Er studierte in den 80er Jahren an der Staatlichen Kunstakademie in Karlsruhe und war Meisterschüler von Professor und damaligem Rektor Klaus Arnold. „Wir zeichneten und malten nach Modell ohne Ende. Etwas vor sich zu haben, auf das ich reagiere, war und ist für mich sehr inspirierend.“ Die Mitarbeit unter anderem bei der Ausführung der Wandmalerei im Badischen Staatstheater unter Arnolds Anleitung betrachtet er als „Praktikum an der großen Wand“.
Ein Blick in Harald Bircks Luther-Atelier in der Karlsruher
Stadtkirche am Marktplatz
Birck sieht sich als bildhauernden Maler. Seine Skulpturen sind für ihn dreidimensionale Bilder, die je nach Ansicht dem Betrachter unterschiedliche Eindrücke vermitteln. „Gelernte Bildhauer kommen meistens nicht vom Sockel weg.“ Deshalb haben seine Skulpturen einen angedeuteten Oberkörperansatz und Kleidung. Sie sind nach unten offen und bekommen dadurch eine scheinbare Leichtigkeit, trotz ihrer merklichen Überlebensgröße von fast 70 cm.
 
Die Struktur der Oberfläche ist rau gefurcht. Durch Bircks typisches Stilmittel, diese besondere Textur, erzeugen die Köpfe – je nach Entfernung des Betrachters – eine andere Wirkung. Der Schöpfungsprozess eines Kopfes beginnt mit einem Papierknäuel, auf das Birck die Tonschichten aufträgt und anschließend mit Fingern und Messer modelliert. „Entscheidend dabei ist, nicht den Moment des Aufhörens zu verpassen. Wie in der expressiven Malerei, muss auch bei meinen Skulpturen noch was offen bleiben. Sie müssen noch lebendig sein.“
 
Zum Unterschied von anderen Materialien verändert sich das Kunstwerk aus Ton nach Abschluss des Modellierens jedoch noch unabhängig vom Künstler: beim Brennen mit Gas bis zu 1100 Grad ändern sich Farbe und Größe. „Darauf muss sich ein Künstler erst mal einlassen und dies akzeptieren. Dieses Vertrauen, das ich in das Material setze, hat mir meine Frau und ausgebildete Töpfermeisterin Cordula gegeben.“ Die Farbigkeit kommt fast ausschließlich aus den sechs verschiedenen – von rötlichen bis grauen – Westerwälder Tonsorten. Nur ganz dezent – und auf den ersten Blick kaum zu sehen – hat er an einigen Stellen Engoben, eine Suspension von Tonmineralien und Metalloxiden, eingesetzt.
 
Wieviel Abstraktion lasse ich zu?
„Bei Porträts – ob Malerei oder Bildhauerei – gibt es immer die Diskussion um die Frage: “Wieviel Abstraktion lasse ich zu?“ Denn die Ähnlichkeit mit der Person muss ja vorhanden sein. Ich bin als Künstler aber nicht nur für das äußere, sondern vor allem auch für das innere Bild der Person zuständig – so wie ich es sehe. Deshalb führe ich mehrstündige Gespräche, in denen ich mich auf den Menschen einlasse, auf seine Gefühlswelten eingehe.“ Es ist immer ein Balanceakt zwischen der Sicht des Künstlers und des Porträtierten.
Birck hat sich mit seinen Tonköpfen einen Namen gemacht. Ein Projekt begann mit den Besuchen eines Freundes, der in Berlin als Pfarrer eine Art Kantine für Obdachlose, die „Citystation“, betreute. „Ich lernte einige von ihnen kennen, hörte mir ihre Lebensgeschichte an und erfuhr viel über ihr hartes Leben auf der Straße.“ Daraus entstand schließlich ab 2006 in Zusammenarbeit mit der Stadtmission das Projekt „Auf Augenhöhe“ mit 70 Porträtbüsten, die danach in diversen Ausstellungen zu sehen waren. Sogar im Arbeitsministerium stehen inzwischen zwei Skulpturen. Aber auch Prominente mussten sich in Geduld üben und saßen bei ihm Modell.
Dann kam Luther!
„Mein Vater war Pfarrer und somit bin ich mit meinen vier Schwestern in einem protestantischen Milieu aufgewachsen. Für mich war Martin Luther ein Held. Da war für mich 2010 die Auftragsarbeit einer Lutherbüste in Bronze vom Luther-Hotel Wittenberg etwas Besonderes.“ Ich bin auch für das innere Bild der Person zuständig. Nun ist Martin Luther wieder sein Thema: diesmal allerdings wieder in Ton und in Karlsruhe.
Unter dem Titel „Luther – einer von uns“ hat er für das Projekt von Pfarrer Dirk Keller und der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe inzwischen über 20 Porträtköpfe – wie anfangs erwähnt – von Menschen aus dieser Stadt geschaffen, von denen manche mit einem modischen Accessoire aus der Lutherzeit ausgestattet wurden. Für Birck gab und gibt es keinen Unterschied in der Intensität der Auseinandersetzung mit den doch sehr verschiedenen Personen. „Alle waren und sind für mich gleich wichtig.“ Genau das erkennt man bei jedem der modellierten Köpfe des Künstlers Harald Birck.
Zum Auftakt am Sonntag, 5. März 2017, um 10 Uhr werden alle Büsten in der Karlsruher Lutherkirche zu sehen sein. Danach wird jede zu ihrem speziellen und endgültigen Standort gebracht und dort in einer Präsentation gewürdigt. Die Termine sind im Veranstaltungskalender aufgeführt. Zum Abschluss können am Reformationstag. Dienstag, 31. Oktober 2017, um 20 Uhr, nochmals alle Büsten in der Karlsruher Stadtkirche am Marktplatz bewundert werden.

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Ein Projekt der Evangelischen Kirche in Karlsruhe. Unter Leitung der Stadtkirche Karlsruhe,
Pfarrer Dirk Keller. Evangelisches Pfarramt der Alt- und Mittelstadtgemeinde,
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